UGR-Wert
UGR-Wert einfach erklärt: Blendung bei Beleuchtung bewerten
Der UGR-Wert dient zur Bewertung der psychologischen Direktblendung durch Leuchten in Innenräumen. UGR steht für Unified Glare Rating. Vereinfacht gesagt beschreibt das Verfahren, wie wahrscheinlich eine Beleuchtungsanlage aus einer bestimmten Blickrichtung als störend blendend empfunden wird.
Wichtig ist: UGR ist kein fester Qualitätswert einer einzelnen Leuchte. Die Blendungsbewertung hängt von der gesamten Beleuchtungssituation ab – unter anderem von Leuchtenanordnung, Blickrichtung, Raumgröße, Montagehöhe und der Helligkeit von Wänden und Decke.
Eine Herstellerangabe wie „UGR ≤ 19“ ist deshalb eine wichtige Planungshilfe, garantiert aber nicht automatisch, dass in jedem realen Raum ein entsprechender Blendungsgrenzwert eingehalten wird.
Was bedeutet UGR?
UGR ist ein standardisiertes Verfahren zur Bewertung der psychologischen Direktblendung durch künstliche Beleuchtung. Gemeint ist störende Helligkeit durch Leuchten, die sich im Gesichtsfeld einer Person befinden.
Das Verfahren berücksichtigt nicht nur eine einzelne Leuchte. In die Bewertung fließen alle relevanten Leuchten der Anlage sowie die Helligkeit der Raumbegrenzungsflächen ein.
Grundsätzlich gilt: Je niedriger der UGR-Wert beziehungsweise der zulässige UGR-Grenzwert, desto stärker muss die psychologische Direktblendung begrenzt werden.
Was ist psychologische Direktblendung?
Blendung entsteht, wenn Helligkeiten im Gesichtsfeld als störend oder unangenehm empfunden werden. Beim UGR-Verfahren geht es speziell um die psychologische Direktblendung durch Leuchten.
Typische Beispiele sind helle Leuchten, die direkt im Sichtfeld liegen oder aufgrund ihrer Position gegenüber der Umgebung besonders auffällig erscheinen.
UGR bewertet dagegen nicht sämtliche Formen von Blendung. Spiegelungen auf Bildschirmen, glänzenden Tischplatten oder anderen reflektierenden Flächen müssen zusätzlich betrachtet werden.
Die verschiedenen Blendungsarten werden ausführlicher im Lexikoneintrag Blendung erklärt. Praktische Möglichkeiten zur Verringerung störender Blendung findest Du unter Blendfreies Licht.
Welche UGR-Grenzwerte gibt es?
Für die Blendungsbewertung werden abgestufte Grenzwerte verwendet. Die relevante Grenzwertreihe lautet 16, 19, 22, 25 und 28.
Diese Werte sind keine allgemeinen Qualitätsnoten für Leuchten. Welcher Grenzwert einzuhalten ist, hängt von der jeweiligen Anwendung und Sehaufgabe ab.
Was bedeutet UGR ≤ 19?
Die Angabe UGR ≤ 19 bedeutet, dass bei der entsprechenden Planung ein Blendungsgrenzwert von 19 nicht überschritten werden soll.
Besonders bekannt ist dieser Wert aus der Planung von Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen. Daraus darf jedoch nicht abgeleitet werden, dass jede Leuchte mit der Produktangabe „UGR ≤ 19“ automatisch einen blendungsarmen Büroarbeitsplatz erzeugt.
Für die konkrete Büroplanung spielen zusätzlich Leuchtenposition, Raumgeometrie, Blickrichtung, Reflexionsgrade und weitere lichttechnische Anforderungen eine Rolle.
Die vollständige Raumplanung behandeln wir unter Bürobeleuchtung. Die konkrete Beleuchtung von Schreibtisch und Bildschirm findest Du unter Arbeitsplatzbeleuchtung.
Warum ist UGR kein fester Wert einer Leuchte?
Der Blendeindruck entsteht erst aus dem Zusammenspiel von Leuchte, Raum und Beobachter. Dieselbe Leuchte kann deshalb unter unterschiedlichen Bedingungen zu unterschiedlichen UGR-Bewertungen führen.
Zu den wichtigen Einflussgrößen gehören:
- Leuchtdichte und sichtbare Lichtfläche der Leuchten,
- Anzahl und Position der Leuchten,
- Blickrichtung des Betrachters,
- Montagehöhe der Leuchten,
- Raumgröße und Raumproportionen,
- Helligkeit beziehungsweise Reflexionsgrade von Decke und Wänden.
Eine Produktangabe wie „UGR ≤ 19“ sollte deshalb als Planungsinformation verstanden werden und nicht als universell gültiges Messergebnis für jede Einbausituation.
Warum geben Hersteller trotzdem UGR-Werte an?
Leuchtenhersteller stellen häufig UGR-Tabellen beziehungsweise entsprechende lichttechnische Daten zur Verfügung. Damit lässt sich beurteilen, ob eine bestimmte Leuchte unter definierten Raum- und Anordnungsbedingungen für einen geforderten UGR-Grenzwert geeignet ist.
Die Tabellen berücksichtigen beispielsweise Raumabmessungen, Montagehöhe, Reflexionsgrade sowie die Ausrichtung der Leuchten zur Blickrichtung.
Dadurch kann dieselbe Leuchte in einer Tabellenposition einen anderen UGR-Wert aufweisen als unter anderen Raum- oder Blickbedingungen.
UGR-Tabelle und Lichtplanung
Für die normgerechte Bewertung wird das UGR-Tabellenverfahren verwendet. Leuchtenhersteller veröffentlichen hierfür lichttechnische Daten, die auch in professionellen Lichtplanungsprogrammen genutzt werden können.
Ein Planer kann damit prüfen, ob der für die jeweilige Anwendung vorgesehene UGR-Grenzwert unter den angenommenen Raum- und Anordnungsbedingungen eingehalten wird.
Das zeigt nochmals, warum die Aussage „diese Leuchte hat UGR 19“ technisch zu kurz greift. Richtiger ist die Aussage, dass eine Leuchte unter definierten Bedingungen für eine Beleuchtungsanlage mit entsprechendem UGR-Grenzwert geeignet sein kann.
UGR, RUG und RUGL – was ist der Unterschied?
In der aktuellen Fachsystematik wird zwischen dem UGR-Verfahren, dem ermittelten Blendungswert und dem zulässigen Grenzwert unterschieden.
- UGR: Bezeichnung des Verfahrens zur Bewertung psychologischer Direktblendung.
- RUG: der für die betrachtete Situation ermittelte Wert.
- RUGL: der für die jeweilige Anwendung festgelegte Grenzwert.
Im Handel und in Produktbeschreibungen wird trotzdem weiterhin häufig die vereinfachte Formulierung „UGR ≤ 19“ verwendet.
UGR und Bildschirmarbeit
Bei Bildschirmarbeitsplätzen ist die Begrenzung störender Direktblendung besonders relevant. UGR bewertet jedoch nur einen Teil der möglichen visuellen Störungen.
Spiegelungen von Fenstern oder Leuchten auf einem Bildschirm gehören nicht vollständig zur UGR-Bewertung. Bildschirmposition, Fenster, Leuchtenanordnung und Reflexionen müssen deshalb zusätzlich geplant werden.
Diese praktischen Zusammenhänge gehören zur Arbeitsplatzbeleuchtung und werden dort ausführlicher erklärt.
UGR und blendfreies Licht sind nicht dasselbe
Ein niedriger UGR-Wert bedeutet nicht automatisch, dass eine Beleuchtung vollständig „blendfrei“ ist.
UGR bewertet gezielt die psychologische Direktblendung durch Leuchten in Innenräumen. Andere störende Effekte – beispielsweise Reflexionen auf Bildschirmen, glänzende Oberflächen oder ungünstig ausgerichtete Spots – müssen separat betrachtet werden.
Der Begriff Blendfreies Licht ist deshalb breiter als die reine UGR-Bewertung und beschreibt die praktische Aufgabe, störende Blendung in einer Beleuchtungssituation möglichst zu vermeiden beziehungsweise zu begrenzen.
Wie lässt sich ein niedriger UGR-Wert unterstützen?
Die Blendungsbegrenzung beginnt bereits bei Auswahl und Positionierung der Leuchten. Je nach Anwendung können unter anderem folgende Maßnahmen hilfreich sein:
- Leuchten mit geeigneter Lichtlenkung verwenden,
- direkte Sicht auf sehr helle Lichtflächen begrenzen,
- Leuchten außerhalb kritischer Blickrichtungen positionieren,
- Montagehöhe und Leuchtenabstand sinnvoll planen,
- Raumoberflächen und Hintergrundhelligkeit berücksichtigen,
- bei professionellen Anlagen UGR-Tabellen und Lichtplanung einsetzen.
Welche Maßnahme geeignet ist, hängt jedoch immer vom Raum und der konkreten Sehaufgabe ab.
Was bewertet UGR nicht?
Für die korrekte Einordnung ist ebenso wichtig zu wissen, was der UGR-Wert nicht beschreibt.
- UGR beschreibt nicht die Beleuchtungsstärke in Lux.
- UGR beschreibt nicht den Lichtstrom einer Leuchte in Lumen.
- UGR bewertet nicht die Farbtemperatur in Kelvin.
- UGR bewertet nicht die Farbwiedergabe.
- UGR erfasst Reflexblendung auf Bildschirmen oder glänzenden Oberflächen nicht vollständig.
- UGR ist kein allgemeiner Qualitätsindex einer Leuchte.
UGR ist damit eine spezifische Bewertungsgröße für psychologische Direktblendung innerhalb der Lichtplanung.
Häufige Missverständnisse beim UGR-Wert
- „UGR 19 ist ein fester Leuchtenwert.“
Nein. Der Wert hängt von der gesamten Beleuchtungssituation ab. - „UGR 16 ist automatisch eine bessere Leuchte als UGR 19.“
Nein. Unterschiedliche Anwendungen verlangen unterschiedliche Grenzwerte. UGR ist kein allgemeines Qualitätsranking. - „UGR ≤ 19 bedeutet blendfrei.“
Nein. Das Verfahren bewertet psychologische Direktblendung, nicht sämtliche möglichen Blendungseffekte. - „UGR bewertet Spiegelungen auf dem Bildschirm.“
Nicht vollständig. Reflexionen und Bildschirmposition müssen separat berücksichtigt werden. - „Je niedriger der angegebene UGR-Wert, desto besser für jeden Raum.“
Nein. Entscheidend ist, welcher Grenzwert für die konkrete Sehaufgabe erforderlich ist.
UGR in Büro- und Arbeitsplatzbeleuchtung
UGR ist ein Teilkriterium der professionellen Lichtplanung. Bei Bürobeleuchtung wird die Blendungsbegrenzung gemeinsam mit Beleuchtungsstärke, Lichtverteilung, Tageslicht und weiteren Anforderungen betrachtet.
Die Themen sind deshalb bewusst getrennt:
- Bürobeleuchtung – gesamtes Lichtkonzept eines Büroraums
- Arbeitsplatzbeleuchtung – Licht für die konkrete Sehaufgabe an Schreibtisch und Bildschirm
- Blendung – Ursachen und verschiedene Arten störender Helligkeit
- Blendfreies Licht – praktische Maßnahmen zur Begrenzung störender Blendung
Häufige Fragen zum UGR-Wert
Was bedeutet UGR?
UGR steht für Unified Glare Rating und bezeichnet ein Verfahren zur Bewertung psychologischer Direktblendung durch Leuchten in Innenräumen. Je niedriger der zulässige Grenzwert ist, desto stärker wird die Wahrscheinlichkeit störender Direktblendung begrenzt.
Was bedeutet UGR ≤ 19?
UGR ≤ 19 bedeutet, dass bei der entsprechenden Beleuchtungsplanung ein Blendungsgrenzwert von 19 nicht überschritten werden soll. Dieser Grenzwert ist besonders aus der Planung typischer Büro- und Bildschirmarbeitsplätze bekannt.
Ist UGR ein fester Wert einer Leuchte?
Nein. Die UGR-Bewertung hängt unter anderem von Raumgröße, Leuchtenposition, Montagehöhe, Blickrichtung und Reflexionsgraden der Raumflächen ab. Herstellerangaben wie „UGR ≤ 19“ sind deshalb Planungsinformationen und keine universell gültigen Raumwerte.
Ist UGR 16 besser als UGR 19?
Nicht grundsätzlich. UGR 16 steht für eine stärkere Begrenzung psychologischer Direktblendung als UGR 19. Entscheidend ist jedoch, welcher Grenzwert für die jeweilige Sehaufgabe und Anwendung gefordert beziehungsweise sinnvoll ist.
Bedeutet UGR ≤ 19 blendfreies Licht?
Nein. UGR bewertet psychologische Direktblendung durch Leuchten. Reflexionen, ungünstige Leuchtenpositionen oder andere Blendungsarten können trotz eines niedrigen UGR-Wertes auftreten.
Wie wird der UGR-Wert ermittelt?
Für die normbezogene Bewertung werden UGR-Tabellen und lichttechnische Daten verwendet. Dabei werden unter anderem Raumabmessungen, Leuchtenanordnung, Montagehöhe, Blickrichtung und Reflexionsgrade der Raumflächen berücksichtigt.
Stand: August 2026. Bei professionellen Arbeitsstätten und normgebundenen Beleuchtungsprojekten sind die jeweils geltenden Anforderungen für die konkrete Anwendung zu prüfen.